„Kein guter Stil“ – Thomas Müller rechnet mit Jogi ab

Joachim Löw
Foto: Granada / Wikipedia (CC BY-SA 4.0)

Fußball-Deutschland diskutiert auch zwei Tage nach dem Nationalmannschafts-Aus der drei Weltmeister von 2014 auf Hochtouren. Thomas Müller (29) rechnete nun sogar in einer Videobotschaft mit Bundestrainer Joachim Löw (59) ab.

Am Dienstag teilte Bundestrainer Joachim mit, dass Mats Hummels (30), Jerome Boateng (30) und Thomas Müller vom FC Bayern München nicht mehr zur Nationalmannschaft gehören werden. Die Überraschung der Öffentlichkeit war groß. Verwundert reagierte nun auch Angreifer Thomas Müller. Bei Twitter rechnete er in einem zwei Minuten langen Video mit Löw ab.

Der Wortlaut im Video:

„Hey Leute! Ich habe jetzt mal eine Nacht drüber geschlafen, um die Ereignisse auch mal sacken zu lassen. Ich war natürlich von der plötzlichen Entscheidung des Bundestrainers auch perplex gestern.

Ein Bundestrainer muss sportliche Entscheidungen treffen, absolut. Das stelle ich auch überhaupt nicht in Frage. Allerdings je länger ich drüber nachdenke, macht mich die Art und Weise, wie das Ganze abgelaufen ist, einfach sauer. Kein Verständnis habe ich vor allem für die suggerierte Endgültigkeit der Entscheidung. Mats, Jerome und ich sind immer noch in der Lage, auf Top-Niveau Fußball zu spielen. Wir haben gemeinsam mit dem DFB einen langen, intensiven und meist auch erfolgreichen Weg bestritten in den letzten Jahren.

Und wenn dann, kurz nachdem wir von der Entscheidung vom Bundestrainer erfahren, dann vorgefertigte Statements seitens des DFB und des DFB-Präsidenten an die Presse rausgegeben werden, dann ist das aus meiner Sicht kein guter Stil und hat mit Wertschätzung auch nichts zu tun.

Und jetzt zu euch liebe Fans: Ich war immer stolz, das DFB-Trikot zu tragen, habe immer alles gegeben. Ich möchte mich bei euch für eure riesige Unterstützung bedanken. Es war eine unglaubliche Reise mit meinen 100 Länderspielen und vielen tollen gemeinsamen Erlebnissen. Wer mich kennt, weiß, ich bin ein Kämpfer, ich werde nach vorne schauen. Wir haben jetzt mit dem FC Bayern eine ganz heiße Saisonphase, in der wir um alle drei Titel mitspielen. Und in diesem Sinne möchte ich euch sagen: Das Spiel ist noch nicht aus.“

Hummels und Boateng reagierten bislang moderat

Thomas Müllers Frust sitzt also mehr als nur tief. Jerome Boateng äußerte sich zuvor eher moderat. Mit Spannung wird noch ein Statement von Mats Hummels erwartet, der als besonders meinungsstark gilt. Der Bayern-Verteidiger postete lediglich ein Foto in seiner Instagram-Story – mit zerknittertem Gesichtsausdruck. Im Hintergrund spielt sein einjähriger Sohn Ludwig auf dem Sofa. Daneben schrieb er das Wort „Aufmunterer“.

„Wir wollen der Mannschaft ein neues Gesicht geben“, so Bundestrainer Löw am Dienstag. „Ich bin überzeugt, dass das nun der richtige Schritt ist.“

Auch die Verantwortlichen des FC Bayern München haben bereits reagiert. Auf ihrer Webseite drückten die Bosse um Karl-Heinz Rummenigge (63) ihr Unverständnis aus: „Das letzte Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft fand am 19. November 2018 statt. Dass die Spieler und die Öffentlichkeit rund dreieinhalb Monate später unmittelbar vor richtungsweisenden Spielen des FC Bayern am kommenden Samstag im Titelkampf der Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg und wenige Tage vor dem entscheidenden Rückspiel im Achtelfinale der Champions League am kommenden Mittwoch gegen den FC Liverpool informiert wurden, irritiert uns“, heißt es in der Mitteilung.

Ebenso hätte es die Bayern-Verantwortlichen gestört, dass Joachim Löw und Team-Manager Oliver Bierhoff (50) unangekündigt die drei Spieler beim FC Bayern besuchten und ihnen die unangenehme Nachricht überbrachten.

Rummenigge setzt Löw unter Druck

„Thomas Müller (100 Länderspiele), Mats Hummels (70) und Jerome Boateng (76) haben zusammen 246 Länderspiele für die deutsche A-Nationalmannschaft absolviert, sie haben eine extrem erfolgreiche Dekade des DFB geprägt mit dem Gewinn des Weltmeister-Titels im Jahre 2014 als absoluten Höhepunkt“, heißt es in der FCB-Mitteilung weiter. „Der FC Bayern hat größten Respekt vor den sportlichen Verdiensten von Thomas, Mats und Jerome für die Nationalmannschaft und den deutschen Fußball.“

Rummenigge hatte Bundestrainer Löw bereits vorher in der „AZ“ unter Druck gesetzt: „Er hat damit natürlich auch eine große persönliche Verantwortung übernommen. Denn von Fußball-Deutschland wird jetzt erwartet, dass die Qualifikation zur Europameisterschaft 2020, die ja auch in München stattfindet, gelingt. Und dass die deutsche Mannschaft wieder den attraktiven Fußball zeigt, den man in den vergangenen zehn Jahren genießen durfte.“

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